Description
Dem in Dresden historisch gewachsenen, einzigartigen und vorbildlichen Hochwasserschutzsystem und den vielfltigen aktuellen Anstrengungen fr ein nachhaltiges Hochwasserrisikomanagement stehen wirtschaftliche Interessen und stdtebauliche Entwicklungsabsichten gegenber, die mit dem Ansinnen der Flchenvorsorge, berschwemmungsgebiete und Risikogebiete (hinter Deichen) freizuhalten, kollidieren. Dennoch wird die historische Kontinuitt der Freihaltung der die Stadt durchziehenden Elbwiesen fortgeschrieben und der Schutz gefhrdeter Objekte baulich vorangetrieben. Risikomanagement heit aber nicht nur Restriktion, sondern Abwgung und Gewichtung anderer Interessen, Risiken unter bestimmten Bedingungen einzugehen. In sozialwissenschaftlichen Experteninterviews wurden die Wahrnehmung und die Motive der Entscheidungstrger fr ihr Handeln untersucht. Dies entspricht einer Analyse der Auswirkung des Risikobewusstseins (auch des emotionalen Empfindens) auf das tatschliche Risikomanagement (Verhalten, Umsetzung, Implementierung). Die Frage, ob die Anpassung der Planungsinstrumente als Konsequenz der Flutkatastrophe zu einer wirksamen Flchenvorsorge gefhrt hat, muss differenziert beantwortet werden im Lichte der historisch bereits gegebenen Flchenvorsorge und der bundespolitischen, landes- und regionalplanerischen Vorgaben. Zwar stecken diese einen Rahmen zur Anwendung von Manahmen ab. Die kommunale Selbstverwaltung garantiert aber eine Eigenverantwortung der Stadt, ob sie mgliche Manahmen nun auch wirklich konsequent anwendet. Die stdtischen Akteure knnen unabhngig agieren und demzufolge auch moralisch bzgl. Ihrer Verantwortung hinterfragt werden. Die Aussagen der Interviewpartner wurden gespiegelt mit einer Analyse von Dokumenten, der Auswertung von Medienberichten und den beobachteten rumlichen Gegebenheiten. Die Komplexitt der betrachteten Risiken und Auswirkungen mglicher Manahmen bedingt ein verantwortlich langwieriges Planungssystem. So ist die Realisierung aller Manahmen ein lngerer Prozess, der sich noch mehrere Jahre hinziehen wird. Die Abstimmungen zwischen Planungssystemen sind nach Darstellung des stdtischen Umweltamts komplexer als erwartet. Der Plan Hochwasservorsorge (PHD) der Stadt Dresden wird vom stdtischen Umweltamt als zentrale Reaktion der Stadt Dresden auf das Sommerhochwasser 2002 herausgestellt. Auseinanderzuhalten sind verschiedene Ereignisse und verschiedene Risiken mit unterschiedlichen Charakteristiken: Elbe-Hochwasser, Weieritz-Sturzflut, Stadt-Bche, Grundhochwasser, Kanalisation (Stadtentwsserung). Deshalb ist die Koordination der verschiedenen behrdlichen Zustndigkeiten ein ebenso zentrales Aufgabenfeld (planungsintern) wie die Risikokommunikation nach auen, um einer nachlassenden Risikowahrnehmung entgegen zu wirken. Die Synergie von rumlicher Identitt, Landschaftspotenzial und Hochwasserschutz gilt es im Falle Dresden weiterhin zu nutzen. Thomas Gentsch, Diplom-Geograph, Universitt Stuttgart, Abschluss 2007.




